Fichte und Tanne gehören beide zu den immergrünen Nadelbäumen und sehen auf den ersten Blick sehr ähnlich aus. Dennoch lassen sie sich anhand einiger charakteristischer Merkmale gut unterscheiden. Besonders hilfreich sind die Form und Anordnung der Nadeln, die Position der Zapfen und das Aussehen der Rinde. Während die Fichte häufig durch ihre herabhängenden Zapfen und spitzen Nadeln auffällt, erkennt man die Tanne unter anderem an ihren aufrecht stehenden Zapfen und den weicheren Nadeln.
Was ist eine Fichte?
Die Fichte gehört zur Gattung Picea und ist in Europa vor allem durch die Gemeine Fichte bekannt. Sie kann sehr hoch wachsen und besitzt eine typische kegelförmige Krone.
Fichten kommen häufig in Wäldern und in höheren Lagen vor. Ihr Holz wird unter anderem für Bauholz, Möbel, Papier und Musikinstrumente verwendet.
Typische Merkmale:
- spitze, relativ steife Nadeln
- Nadeln sitzen auf kleinen Holzstiften
- Zapfen hängen nach unten
- meist rötlich-braune Rinde
- kegelförmige Krone
- häufig schlanker Stamm
Was ist eine Tanne?
Die Tanne gehört zur Gattung Abies. In Mitteleuropa ist besonders die Weißtanne bekannt. Auch Tannen können sehr alt und hoch werden und spielen eine wichtige Rolle in natürlichen und bewirtschafteten Wäldern.
Tannen haben meist weichere, flachere Nadeln. Ein besonders auffälliges Merkmal sind ihre Zapfen: Sie stehen aufrecht auf den Ästen und zerfallen später am Baum.
Typische Merkmale:
- flache, eher weiche Nadeln
- Nadeln sitzen direkt am Zweig
- Zapfen stehen aufrecht
- meist graue bis silbergraue Rinde
- häufig breite, regelmäßige Krone
- Nadeln besitzen auf der Unterseite oft zwei helle Streifen
Die wichtigsten Unterschiede im Überblick
| Merkmal | Fichte | Tanne |
|---|---|---|
| Nadeln | spitz und eher steif | flach und meist weich |
| Nadelansatz | auf kleinen Holzstiften | direkt am Zweig |
| Zapfen | hängen nach unten | stehen aufrecht |
| Zapfen am Boden | häufig ganze Zapfen | ganze Zapfen selten |
| Rinde | häufig rötlich-braun | meist grau bis silbergrau |
| Krone | oft spitz zulaufend | häufig regelmäßiger und breiter |
| Äste | häufig stärker herabhängend | oft waagerechter |
| Typisches Merkmal | hängende Zapfen | stehende Zapfen |
Die Nadeln als Erkennungsmerkmal
Die Nadeln sind eine der einfachsten Möglichkeiten, Fichte und Tanne zu unterscheiden.
Bei der Fichte sind die Nadeln meist vierkantig, steif und spitz. Wenn man vorsichtig über einen Zweig fährt, können sie deshalb deutlich stechen. Nach dem Abfallen der Nadeln bleiben kleine, holzige Ansätze am Zweig zurück.
Bei der Tanne sind die Nadeln dagegen flacher und häufig deutlich weicher. Sie stechen normalerweise nicht so stark. Außerdem sitzen sie direkt auf kleinen, rundlichen Ansätzen am Zweig.
Ein einfacher Merksatz lautet:
Fichte sticht, Tanne nicht.
Dieser Merksatz ist nützlich, sollte aber nicht als einziges Bestimmungsmerkmal verwendet werden.
Die Zapfen: der deutlichste Unterschied
Besonders leicht lassen sich die beiden Baumarten anhand ihrer Zapfen unterscheiden.
Fichten:
- Zapfen hängen nach unten.
- Sie können nach der Reife als ganze Zapfen zu Boden fallen.
- Die Zapfen sind länglich und gut sichtbar.
Tannen:
- Zapfen stehen aufrecht auf den Ästen.
- Sie zerfallen bei der Reife direkt am Baum.
- Deshalb findet man normalerweise keine vollständigen Tannenzapfen unter einer Tanne.
Das ist ein besonders hilfreiches Merkmal bei der Bestimmung:
Hängender Zapfen = Fichte
Aufrechter Zapfen = Tanne
Rinde und Wuchsform
Auch die Rinde kann Hinweise geben. Die Rinde der Fichte ist bei jüngeren Bäumen häufig rötlich-braun und kann im Alter stärker schuppig wirken. Die Weißtanne besitzt dagegen eine eher graue bis silbergraue Rinde.
Auch die Kronenform unterscheidet sich häufig. Fichten wirken meist sehr regelmäßig und spitz zulaufend. Tannen können ebenfalls eine kegelförmige Krone haben, besitzen aber oft einen anderen Astaufbau und wirken im oberen Bereich etwas anders.
Standort und Bedeutung
Fichten sind in der Forstwirtschaft bedeutende Bäume und wurden in vielen Regionen großflächig angepflanzt. Sie liefern vielseitig verwendbares Holz, reagieren aber empfindlich auf bestimmte Umweltbedingungen wie Trockenheit.
Tannen können dagegen in naturnahen Mischwäldern eine wichtige Rolle spielen. Sie sind unter geeigneten Bedingungen schattentoleranter als Fichten und können zur Stabilität von Mischwäldern beitragen.
So kann man sie schnell unterscheiden
Wer im Wald einen Nadelbaum bestimmen möchte, kann in drei Schritten vorgehen:
- Zapfen anschauen: Hängen sie nach unten? → wahrscheinlich Fichte. Stehen sie aufrecht? → wahrscheinlich Tanne.
- Nadeln fühlen und betrachten: Spitz und stechend? → eher Fichte. Flach und weich? → eher Tanne.
- Zweig ansehen: Bleiben nach abgefallenen Nadeln kleine Holzstifte zurück? → Fichte. Glattere Zweige mit direkt sitzenden Nadeln? → Tanne.
Fazit
Fichte und Tanne sind verwandte Nadelbäume, lassen sich aber anhand mehrerer typischer Merkmale unterscheiden. Die Fichte besitzt meist steife, spitze Nadeln und hängende Zapfen, während die Tanne flachere, weichere Nadeln und aufrecht stehende Zapfen hat. Besonders zuverlässig ist der Blick auf die Zapfen, da Tannenzapfen am Baum aufrecht stehen und dort zerfallen. Wer Fichte und Tanne unterscheiden möchte, sollte deshalb vor allem Nadeln, Zapfen und deren Sitz am Zweig betrachten.
